Hartmut Ulrich - Weblog

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Demokratie

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25. January 2012

"Auf der Agora braucht es keine Medien"

Dem Zeitgeist der Transparenz kann sich die Politik gegen den Souverän nicht widersetzen.

Infolge dessen erhält das Publikum Einblick in die Profanität politischen Handelns und der Qualität ihrer Akteure.

Die Kenntnisnahme der Realität führt zum Zusammenbruch der Erzählung vom Politiker als Staatsmann, Vorbild, Saubermann.

Ein sehr beachtenswertes Thesenpapier von Christoph Kappes zum digitalen Wandel, der neben vielen anderen Lebensbereichen nun auch die Politik mit aller Macht erfasst hat und sie in den kommenden zehn bis 20 Jahren von Grund auf verändern wird.

 

3. January 2012

Der Buntes-Präsident

Möglicherweise liegt der Kern der Empörung über Wulff ja gar nicht in Wulff selbst (ganz gleich wie man zu seinen kommunikativen Ungeschicklichkeiten stehen mag), sondern in einem latent wachsenden Unbehagen darüber, dass einer, der ja auch nur Mensch ist - ergo fehlbar - das Oberhaupt eines ganzen Volkes geben soll. Vielleicht ginge das nochmal gut mit einer wahrhaft sakrosankten Überpersönlichkeit. Aber abgesehen davon, dass daran ein akuter Mangel zu herrschen scheint: Besteht das eigentliche Wesen einer zunehmend transparenten Gesellschaft/Demokratie nicht im Postheroischen? Im Niederreißen Goldener Mauern?

Mir erscheint - sorry Sakrileg - die Rolle eines Bundespräsidenten zunehmend postfeudalistisch-prä21st-century. Der Zukunft in der Grundidee unangemessen. Vielleicht ist dieses Gefühl auch der wahre Kern der Enttäuschung über das Scheitern des Herrn Guttenplag: Dass die Sehnsucht nach einem glaubwürdigen, starken, unangreifbaren Oberhaupt unerfüllbar geworden ist. "Das Volk" wird einen Weg finden müssen, sich selbst angemessen zu repräsentieren.

3. December 2011

D64 - Zentrum für Digitalen Fortschritt gegründet

Wenn selbst die letzten konservativen Hinterbänkler zu begreifen beginnen, dass das Internet nicht mehr weggehen wird und zu einem integralen Bestandteil unserer zivilen Gesellschaft wird, dann muss ein von uns entwickeltes progressives Politikverständnis heute mindestens drei Schritte weiter sein.
Mehr zur Vereinsgründung lesen auf d-64.org
Erste Einordnungen der großen Medien dazu bei SpOn und Zeit Online
Und von Gründungsmitglied Martin Oetting via Google+.
Hier ging es um die Digitale Gesellschaft e.V., eine Initiative mit zumindest ähnlichen Zielen.
Und dann gibt es ja auch noch die Piratenpartei.

 

28. November 2011

Das Internet als Lebensraum der Kommunikationsgesellschaft

Wir machen keine Politik für das Internet, sondern für eine durch das Internet veränderte Gesellschaft.

Großartige Analyse von SZ-Autorin Julia Zeh über die Piratenpartei.

14. August 2011

"Kein Wort, nichts, niemand"

Es gibt Sätze, die sind falsch. Und es gibt Sätze, die sind richtig. Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren, plötzlich richtig werden. Dann beginnt der Zweifel an der Rationalität des Ganzen. Dann beginnen die Zweifel, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang.
Frank Schirrmacher via faz.net

FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher mit ungewohnt nachdenklichen Tönen über die Befindlichkeit des bürgerlichen Lagers und der Frage, ob die Linke nicht doch Recht hat (!). Ebenfalls äußerst beachtenswert: Die Leserkommentare unter dem Beitrag.

Nachtrag, 15.8.2011: Mein Kommentar unter dem Artikel der FAZ (einer von weit über 300):

"Was mir WIRKLICH Sorgen macht, ist nicht die Frage nach der Befindlichkeit des Bürgertums oder die profillose Selbstreferenzialität der politischen Klasse. Was mir ernsthaft Sorgen macht, ist die wachsende Wahrscheinlichkeit, dass uns unsere schöne alternativlose (sic!) Demokratie um die Ohren fliegt, weil ihre ökonomischen Grundlagen kollabieren, noch während wir darüber diskutieren, wie gefährlich die Geister wohl sein mögen, die wir - Parteien aller Lager - da im alternativlosen Konsens aus der Flasche gelassen haben.

So links schlägt das Herz dann nun auch wieder nicht, um im nächsten Schritt nach dem Größten Anzunehmenden Crash ein kommunistisches China (Platzhalter!) als Weltmacht Nummer eins willkommen heißen zu müssen. Ich finde nicht, dass es um Links oder Mitte geht. Sondern um die zentrale Frage: Ist der demokratische Westen noch handlungsfähig und stark genug, um seiner Selbstzerstörung etwas entgegen zu setzen? Die kommenden zehn Jahre werden es zeigen."

 

7. August 2011

Der rechte Abschied von der Politik

Es sind Positionen, mit denen keine Politik mehr zu machen ist, nur Revolution. In einer Karikatur sagte Obama: «Wir geben euch alles, was ihr wollt.» Worauf die Republikaner sagen: «Das ist inakzeptabel.»

Ein äußerst lesenswerter Artikel vom Schweizer Tagesanzeiger, auf den ich durch Mirko Lange via Google+ aufmerksam wurde.

Vielen Dank fürs Verlinken! (in durchaus doppeltem Sinn).

13. April 2010

Links: Vom seitlich aneinander vorbeireden

  • Der Medienberater und Blogger Daniel Florian beobachtet die Auseinandersetzung zwischen gegensätzlichen Lagern, die er "Bürger" und "Nerds" nennt. Bürger, das sind die geisteswissenschaftlich orientierten, vom Geist der Aufklärung Geprägten, während Nerds naturwissenschaftlich denken - ihnen sind Daten wichtiger als Werte. Seine These: Beide Parteien hätten eine Menge beizutragen zum aktuellen Wandel der Kommunikationskultur und einem sich verändernden Demokratieverständnis, kommen aber über gegenseitige Anfeindungen nicht hinaus, weil die jeweiligen Weltbilder einfach zu verschieden sind.
12. April 2010

Links: Ist das Internet ein Werkzeug der Freiheit oder eins der Unterdrückung?

Dass das sowohl ebenso richtig ist wie das als auch, ist die bittere Erkenntnis einer Wirklichkeit, in der mehrere Wahrheiten gleichzeitig nebeneinander existieren können. Das hilft aber nicht weiter, wenn es um zentralen Werte der Freiheit geht. Eine Antwort muss gefunden werden auf Fragen, die sich nicht zum ersten Mal in der (Medien)geschichte stellen: Was muss Freiheit wert sein,dem Einzelnen und Allen, wo beginnt die Unfreiheit? Sind die euphorischen Utopisten nicht zu blauäugig? Wird die Chance, die das Internet bietet, nicht unausweichlich enden in einem Apparat totalitärer Überwachung, in dem Superkonzerne herrschen und den Staaten für ihre Machtinteressen nutzen "weil sie es können"? Der Beitrag "Das  Unbehagen an der digitalen Macht" ist ein Interview, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Wissenschaftsblog edge.org geführt hat - Clay Shirky vertritt dabei die Seite der Optimisten, Evgeny Morozov die der Internet-Skeptiker. Lesenswert - in Summe aber doch ein bisschen enttäuschend, weil es ähnlich einer Talkshow zwar zu einem Austausch von Argumenten kommt, nicht jedoch zu einem Ansatz, an dem entlang sich konstruktiv weiterdenken ließe.
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