Leeres Werbegeklingel
Nichts schadet der Glaubwürdigkeit eines Unternehmens mehr als eine bloße Rhetorik der Werte.
Nichts schadet der Glaubwürdigkeit eines Unternehmens mehr als eine bloße Rhetorik der Werte.
Im Grunde genommen hätte ich dieses Gewerk längst schließen müssen: Zeit für eigene Beiträge hab ich einfach zu wenig. Zumindest nicht für solche, die dem eigenen Anspruch genügen, die Neues bieten, und die nicht nur rasch hingerotzt sind. Das Motto dieses Gewerks, "Beim Sammeln entsteht ein Bild" spiegelt zudem im Kern ja nichts anderes wider als die Idee des Aggregierens bzw. Kuratierens. Dafür gibt's längst Besseres, Evernote zum Beispiel, falls nichtöffentlich. Aber auch fürs öffentliche plattformübergreifende Kuratieren existieren längst elegantere Tools als ein Blog. storify.com zum Beispiel oder auch paper.li werde ich testen. (Nachtrag 23.2.: aber auch quote.fm). Andererseits sind diese Kuratier-Engines aus urheberrechtlicher Sicht oft nicht ohne, während ich bei posterous/in meinem Blog exakt kontrolliere, was wie zitiert und öffentlich wird. Über den Bilder-Shootingstar Pinterest ist in diesem Zusammenhang ja schon allerhand geschieben worden.
Nicht, was darin steht, ist das Gefährliche, sondern was dahinter steht.
Das crossmediale Bohei, das um das (politisch eigentlich überflüssige) Amt des Bundespräsidenten veranstaltet wird – ein Amt, das kaum einen Journalisten jemals ernsthaft interessiert hat – ist ein psychohygienisches Rätsel.
Möglicherweise liegt der Kern der Empörung über Wulff ja gar nicht in Wulff selbst (ganz gleich wie man zu seinen kommunikativen Ungeschicklichkeiten stehen mag), sondern in einem latent wachsenden Unbehagen darüber, dass einer, der ja auch nur Mensch ist - ergo fehlbar - das Oberhaupt eines ganzen Volkes geben soll. Vielleicht ginge das nochmal gut mit einer wahrhaft sakrosankten Überpersönlichkeit. Aber abgesehen davon, dass daran ein akuter Mangel zu herrschen scheint: Besteht das eigentliche Wesen einer zunehmend transparenten Gesellschaft/Demokratie nicht im Postheroischen? Im Niederreißen Goldener Mauern?
Mir erscheint - sorry Sakrileg - die Rolle eines Bundespräsidenten zunehmend postfeudalistisch-prä21st-century. Der Zukunft in der Grundidee unangemessen. Vielleicht ist dieses Gefühl auch der wahre Kern der Enttäuschung über das Scheitern des Herrn Guttenplag: Dass die Sehnsucht nach einem glaubwürdigen, starken, unangreifbaren Oberhaupt unerfüllbar geworden ist. "Das Volk" wird einen Weg finden müssen, sich selbst angemessen zu repräsentieren.
Die Schmerzen, die der Einstieg in Social Media den Unternehmen bereitet, haben ihre Ursachen größtenteils nicht im Social-Media-Bereich, sondern in den unternehmensinternen Problemen, die durch Social Media ans Licht kommen.
Diese Probleme sind intern wahrscheinlich durchaus bekannt, es würde
viel Arbeit bedeuten, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, und auch dort, wo
man nichts zu verbergen hat, hat man unter Umständen etwas zu verlieren.
Kathrin Passig hat einen brillanten Text geschrieben, in doppelter Hinsicht einen Schlüsseltext. Erstens ist das PDF so verschlüsselt, dass man es nicht direkt kommentieren und auch keine Passagen im PDF digital anmarkern kann. Zweitens, weil Passig glänzend sortiert, was wahrscheinlich jedem bruchstückhaft durchs Hirn mäandert, der sich bewusst mit dem Medienwandel auseinandersetzt. Die zweispaltige Formatierung in einem starren geschützten PDF ist ein Statement für sich, tut Lesevergnügen und Erkenntnistiefe aber keinerlei Abbruch - im Gegenteil: Man ist gezwungen, langsam und bewusst zu lesen und hat dadurch mehr davon.
Vielen Dank für dieses bemerkenswerte Stück!
Das Problem mit den QR-Codes ist ja nicht, dass sie so hübsch modern aussehen. Und dass man da theoretisch tolle Sachen mit machen kann. Sondern dass das nie richtig passiert ist, und dass sie jetzt schon kaum noch wer erträgt, so in Zeitschriften oder auf Werbung. Wer sich je den Spaß gemacht und mal mit dem Smartphone draufgehalten hat, musste in neun von zehn Fällen erkennen: Ein simpler Link hätte es auch getan. Wär einfacher gewesen und und billiger. QR-Codes sind sinnlos in der Kommunikation, weil ihre Zeit schon wieder vorbei ist, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. QR-Codes stehen nicht mehr als Chance für erweiterte Kommunikation, liebe w&v, sondern als Metapher dafür, etwas Einfaches aus Gründen reinen Designs unnötig zu verkomplizieren. Das allerdings ist nur meine eigene, unmaßgebliche Einschätzung. Und nicht durch irgendwelche Studien belegbar. Tja.
Wir haben uns zu lange mit Nebensächlichkeiten beschäftigt, wie Freundeslisten anzulegen, virtuelle Pflanzen zu züchten, Videos darüber zu drehen, wie wir ein neues Handy auspacken oder anhand einer Hülle zu spekulieren, wie ein neuer Tablet-Computer aussehen könnte. Die vernünftigste Lösung dürfte sein, immer öfter mal den Stecker aus seinen sozialen Netzwerken zu ziehen. Es wird jetzt Zeit, wieder genauer hinzusehen und zu entscheiden, was wirklich wichtig ist.
An manchen Tagen gibt es keinen Weg, das Gedachte so hinreichend präzise zur Sprache bringen, dass deutlich wird, worum es einem ging. Aber das macht nichts.
Man muss ja nicht jeden Tag falsch verstanden werden.