Wer einer Therapie bedarf und wer nicht, lässt sich nicht mehr ganz eindeutig beantworten. Der Versuch scheitert bereits an der Definition dessen, was das ist: normal. Die polyperspektivisch geborstene Welt konfrontiert den Menschen mit Fragmenten, die er nicht mehr zu einem Ganzen fügen kann - die Gleichzeitigkeit widersprüchlicher Wahrheiten hat ihn befallen wie eine Krankheit. Wie kann er umgehen lernen mit immer mehr Wissen bei immer weniger Gewissheit, wie fertig werden mit dem großen Rauschen, diesem Gordischen Knoten? Verbirgt sich vielleicht gerade darin die neue Verheißung? Was bedeutet es für den Einzelnen, wenn mit der Vernetzung von allem und jedem tatsächlich irgendwann entsteht, was die Apologeten des Internet schon jetzt bejubeln - eine neue Form von Intelligenz? Was kann, was muss der Mensch tun, um auch in Zukunft Mensch zu bleiben? Kunst, Kreativität, Kultur und Kommunikation halten dafür Handlungsempfehlungen bereit, die deutlich mehr Hoffnung machen als Ökonomie, Technik oder die Gesetze der Algorithmen. Was könnte reizvoller sein, als sich damit auseinanderzusetzen!
FH Kunst Arnstadt