Hartmut Ulrich - Weblog

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8. January 2012

"Diese Systeme haben die Tendenz zur Selbstaufschaukelung"

Peter Kruse via youtube.com

Peter Kruse mit einem kurzen Vortrag im Bundestag. In wenigen Sätzen umreißt er aus der Sicht des Systemtheoretikers, was das Internet in seiner aktuellen Ausprägung so mächtig macht: Eine hohe Vernetzungsdichte, eine hohe Zahl von Spontanaktivitäten (das eigentliche "Web 2.0") sowie kreisende Erregungen sorgen für ein mächtiges Momentum - vorausgesetzt, ein Thema erreicht die nötige Resonanzfähigkeit, die Fähigkeit zur Selbstaufschaukelung. Darüber hat er auch schon sehr viel früher einiges erzählt, hier aber besonders schön auf den Punkt.

1. November 2011

"Die Wahrheit ist ein kleines bürgerliches Vorurteil"

Denn einerseits kann das Regime die Sprache zum Instrument seiner Herrschaft, der Desinformation und der Gehirnwäsche, des Betrugs und der Aggression machen, andererseits, und das geschieht oft gleichzeitig, kann auch die unterdrückte Gesellschaft die Sprache in den Dienst ihres Kampfes gegen eben dieses Regime stellen, sie als Instrument der Kommunikation zwischen den Unterdrückten und Erniedrigten, als Waffe in ihrem Kampf um Würde und Unabhängigkeit einsetzen.
Der polnische Journalist und Schriftsteller Ryszard Kapuscinski via nzzfolio.ch

 

6. July 2010

Zehn Thesen von Peter Kruse aus der Anhörung der Internet-Enquete:

1. Die emotional geführte Debatte um die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien.

2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgelöste Überforderung durch Informationsüberflutung ist eine Frage der Bewältigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazitätsgrenzen.

3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bedürfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität der Nutzer und die Existenz länger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für Lawinen-Effekte.

5. Mit der Möglichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.

6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbevölkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.

7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsfähigkeit in gesellschaftliche Zusammenhänge führt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der Öffentlichkeit.

8. Das erstarkende öffentliche Interesse am Spiel der Kräfte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.

9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine große kulturelle Herausforderung dar für alle Organisationen mit primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien.

10. Das im Internet bestehende Missverhältnis zwischen der erlebten Flüchtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erhöht systembedingt das Risiko von Missbrauch.

Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010 der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft
Prof. Dr. Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH Bremen

Die Stellungnahme als PDF.

Zugriff auf alle Beiträge sowie eine Aufzeichnung der Anhörung über Netzpolitik.org.

 

19. April 2010

Links: Modelle und Simulationen dürfen Intuition und gesunden Menschenverstand nicht ersetzen

  • "Und dennoch ist ihr Protest gegen das Flugverbot ein Meilenstein in der soeben erst beginnenden Technologiekritik des digitalen Zeitalters, ein Kapitel in der Geschichte der systematischen Selbstentmächtigung der modernen Gesellschaft durch Modelle." Frank Schirrmacher nimmt die Kritik am Flugverbot anlässlich der isländischen Aschewolke zum Anlass, um nach Fakten zu suchen, die die Thesen seines Buchs "Payback" belegen - dass wir mehr und mehr zu Maschinensklaven mutieren, des eigenen Denkens nicht mehr fähig. Über die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten dessen, was man landläufig "gesunden Menschenverstand" nennt, wird noch häufiger zu diskutieren sein. Vor allem wenn es darum geht, prinzipiell Unentscheidbares dennoch richtig zu entscheiden. Schirrmachers Fazit ist allemal richtig: Das Denken muss Denken bleiben, es braucht "Instanzen des Einspruchs" gegen die Allmacht der Algorithmen. Und die gibt es in der Tat noch nicht ausreichend.
15. April 2010

Links: Die weißen Flecken auf dem achten Kontinent sind noch so groß, dass die Maßstäbe der bekannten Welt nicht ausreichen

  • Bei der Diskussion um das Netz kollidieren unterschiedliche Wertvorstellungen, die Kruse an den Kerngruppen "Digital Visitors" und "Digital Residents" näher untersucht hat. Die Differenzen sind von allen Beteiligten nur unzureichend reflektiert. Es findet eine Machtverschiebung statt, vom Anbieter auf den Nachfrager, ganz gleich ob es sich dabei um politische, ökonomische oder um reine Kommunikationsbeziehungen handelt. Der kulturelle Wandel ist durch nichts aufzuhalten - er wird lediglich oft falsch bewertet und gewichtet, weil er erst am Anfang steht. Was es braucht, ist nichts weiter als - Geduld. Schlüsselvortrag von Peter Kruse auf der re:pulica.
republica2010
  • "WIR SOLLTEN sie alle einladen in diesen neuen Weltteil, der vielen von uns so wichtig ist. Wenn wir wollen, dass alle Menschen etwas vom technologischen Fortschritt haben, brauchen wir Brückentechnologien. Das heißt, Technologien, die nicht nur die Early Adopters und die technologisch Versierten ansprechen, sondern auch den Rest der Menschheit. Wobei dieser Rest nicht wirklich ein Rest ist. Es sind etwa 90 Prozent der Bewohner dieses Planeten." Peter Glaser hat seinen Vortrag von der Eröffnung der re:publica auf seinem Blog Glaserei online gestellt. Eine inspirierende Bestandsaufnahme über den Zustand des Lebens im Netz - auf dem achten Kontinent.
12. April 2010

Links: Ist das Internet ein Werkzeug der Freiheit oder eins der Unterdrückung?

Dass das sowohl ebenso richtig ist wie das als auch, ist die bittere Erkenntnis einer Wirklichkeit, in der mehrere Wahrheiten gleichzeitig nebeneinander existieren können. Das hilft aber nicht weiter, wenn es um zentralen Werte der Freiheit geht. Eine Antwort muss gefunden werden auf Fragen, die sich nicht zum ersten Mal in der (Medien)geschichte stellen: Was muss Freiheit wert sein,dem Einzelnen und Allen, wo beginnt die Unfreiheit? Sind die euphorischen Utopisten nicht zu blauäugig? Wird die Chance, die das Internet bietet, nicht unausweichlich enden in einem Apparat totalitärer Überwachung, in dem Superkonzerne herrschen und den Staaten für ihre Machtinteressen nutzen "weil sie es können"? Der Beitrag "Das  Unbehagen an der digitalen Macht" ist ein Interview, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Wissenschaftsblog edge.org geführt hat - Clay Shirky vertritt dabei die Seite der Optimisten, Evgeny Morozov die der Internet-Skeptiker. Lesenswert - in Summe aber doch ein bisschen enttäuschend, weil es ähnlich einer Talkshow zwar zu einem Austausch von Argumenten kommt, nicht jedoch zu einem Ansatz, an dem entlang sich konstruktiv weiterdenken ließe.
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29. March 2010

Links: "Das Internet erzwingt einen ehrlichen Umgang mit Kompetenzen"

  • Soziologen sind sich noch nicht ganz einig, wie Bindungen zu bewerten sind, in denen man sich zwar "Freund" nennt, die aber tatsächlich schwache soziale Bindungen darstellen. Für Kruse ist klar: Das eigentliche Potenzial des Social Web entsteht aus Resonanzbildungseffekten, die Wirkungen erzielen können wie klassische Massenmedien. Er spricht vom Urwunsch des Menschen, Spuren zu hinterlassen und von der "Euphorie des Möglichen", der Begeisterung des Einzelnen, der sich nun doch nicht als völlig machtlos erlebt. Nichts, was Kruse nicht schon viel früher in seinen nextpractice-Videointerviews auf Youtube gesagt hätte - hier aber besonders prägnant verschriftlicht.
26. March 2010

Links: "Das Buch" gibt es gar nicht - Erst wenn die Technik keinen mehr interessiert, klappt die Kommunikation - Landesseilbahngesetze

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