Hartmut Ulrich - Weblog

Hartmut Ulrich  //  Beim Sammeln entsteht ein Bild.

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Medien

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21. February 2012

Note to self: Kuratieren geht längst eleganter

Im Grunde genommen hätte ich dieses Gewerk längst schließen müssen: Zeit für eigene Beiträge hab ich einfach zu wenig. Zumindest nicht für solche, die dem eigenen Anspruch genügen, die Neues bieten, und die nicht nur rasch hingerotzt sind. Das Motto dieses Gewerks, "Beim Sammeln entsteht ein Bild" spiegelt zudem im Kern ja nichts anderes wider als die Idee des Aggregierens bzw. Kuratierens. Dafür gibt's längst Besseres, Evernote zum Beispiel, falls nichtöffentlich. Aber auch fürs öffentliche plattformübergreifende Kuratieren existieren längst elegantere Tools als ein Blog. storify.com zum Beispiel oder auch paper.li werde ich testen. Andererseits sind diese Kuratier-Engines aus urheberrechtlicher Sicht oft nicht ohne, während ich bei posterous/in meinem Blog exakt kontrolliere, was wie zitiert und öffentlich wird. Über den Bilder-Shootingstar Pinterest ist in diesem Zusammenhang ja schon allerhand geschieben worden.

25. January 2012

"Auf der Agora braucht es keine Medien"

Dem Zeitgeist der Transparenz kann sich die Politik gegen den Souverän nicht widersetzen.

Infolge dessen erhält das Publikum Einblick in die Profanität politischen Handelns und der Qualität ihrer Akteure.

Die Kenntnisnahme der Realität führt zum Zusammenbruch der Erzählung vom Politiker als Staatsmann, Vorbild, Saubermann.

Ein sehr beachtenswertes Thesenpapier von Christoph Kappes zum digitalen Wandel, der neben vielen anderen Lebensbereichen nun auch die Politik mit aller Macht erfasst hat und sie in den kommenden zehn bis 20 Jahren von Grund auf verändern wird.

 

11. January 2012

Wieso einfach, wenn's auch kompliziert geht?

Medienkompetenz für Totholzmedien: Der Umblätterer. Gefunden bei Leander Wattig.

Medien   Spaß  
5. January 2012

"In Zeiten des Übergangs mischen sich die Gegensätze"

Das crossmediale Bohei, das um das (politisch eigentlich überflüssige) Amt des Bundespräsidenten veranstaltet wird – ein Amt, das kaum einen Journalisten jemals ernsthaft interessiert hat – ist ein psychohygienisches Rätsel.
Herausragendes Stück des Journalisten Wolfgang Michal auf seinem Blog wolfgangmichal.de

 

30. November 2011

"Sie können den Wandel nicht aufhalten"

Die Schmerzen, die der Einstieg in Social Media den Unternehmen bereitet, haben ihre Ursachen größtenteils nicht im Social-Media-Bereich, sondern in den unternehmensinternen Problemen, die durch Social Media ans Licht kommen.

Diese Probleme sind intern wahrscheinlich durchaus bekannt, es würde
viel Arbeit bedeuten, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, und auch dort, wo
man nichts zu verbergen hat, hat man unter Umständen etwas zu verlieren.

Kathrin Passig hat einen brillanten Text geschrieben, in doppelter Hinsicht einen Schlüsseltext. Erstens ist das PDF so verschlüsselt, dass man es nicht direkt kommentieren und auch keine Passagen im PDF digital anmarkern kann. Zweitens, weil Passig glänzend sortiert, was wahrscheinlich jedem bruchstückhaft durchs Hirn mäandert, der sich bewusst mit dem Medienwandel auseinandersetzt. Die zweispaltige Formatierung in einem starren geschützten PDF ist ein Statement für sich, tut Lesevergnügen und Erkenntnistiefe aber keinerlei Abbruch - im Gegenteil: Man ist gezwungen, langsam und bewusst zu lesen und hat dadurch mehr davon.

Vielen Dank für dieses bemerkenswerte Stück!

17. October 2011

Der Zufall ist nicht kleinzurechnen

Ein Leben ohne Zufall ist langweilig - tödlich langweilig. Da hat Miriam Meckel Recht mit dem Ausgangspunkt für ihr Manifest. Ohne den Zufall gäbe es nur Vorherseh- und -berechenbares. Es wäre das Ende aller Hoffnung. Dass das Leben durch die Algorithmisierung im Internet berechenbar, vorhersagbar und damit eindimensional wird, diese These halte ich allerdings für ziemlich plakativ. An etwas Ähnlichem hat sich bereits Frank Schirrmacher abgearbeitet.

Das Leben ist nicht so simpel, dass es sich durch Algorithmen einfach so in die Zange nehmen ließe. In der Physik zum Beispiel gibt es Objekte, die sich gerade dadurch verändern, dass man sie beobachtet: Das Spiel ändert sich durchs Spielen. Vielleicht verhält es sich mit dem Leben ja ähnlich: Beim Versuch, es in Muster zu pressen, ergeben sich sofort neue, überraschende Wendungen, auch mit Algorithmisierung - oder gerade wegen ihr. Das Spiel der Zukunft lässt sich nicht mit den Spielregeln aus der Vergangenheit beurteilen. Man merkt nur nicht gleich, dass es  bereits ein neues ist - und darin liegt wohl der größte Anlass für Irrtümer.

Was zum Beispiel gerade an den Finanzmärkten passiert, wird durch Algorithmen, wenn nicht ausgelöst, so doch derart verstärkt, dass es bereits heute zu massiven Systemverwerfungen führt, über kurz oder lang vielleicht sogar zum Systembruch. Durch den Computerhandel und die damit verbundenen Programme (Algorithmen!) wurden die Märkte nicht nur nicht berechen- und vorhersehbarer, sondern ganz im Gegenteil weitaus volatiler und unkalkulierbarer als je zuvor in ihrer Geschichte. So sehr, dass sich die Mächtigen der Welt nun den Vorwurf gefallen lassen müssen, ihnen sei die Kontrolle entglitten. Längst reagiert die Börse scheinbar losgelöst von Fundamentaldaten, längst ist sie Metapher für das Unkalkulierbare per se.

Dabei bilden auch Unternehmen und deren Wertpapiere so etwas wie Persönlichkeiten und eignen sich deshalb gar nicht so schlecht für den Vergleich mit dem Einzelnen. Algorithmen haben jedenfalls zum völligen Gegenteil der Berechenbarkeit von Unternehmen geführt: Die Komplexität scheinbarer oder echter Zusammenhänge ist so hoch, dass kein Mensch sagen kann, ob Kursschwankungen die Folge unzähliger Einzeleffekte sind oder ob sie rein zufällig entstehen - übrigens einer der ältesten Streits an der Börse, zwischen den Glaubensrichtungen der Charttechniker und Fundamentaldatenapostel. Durch den Versuch von mehr Berechenbarkeit entsteht - das Gegenteil.

Aber zurück zum Menschen und dem, was Algorithmen mit seiner Persönlichkeit anzurichten drohen: In dem Moment, in dem der Einzelne bemerkt, dass Maschinen ihn in Schablonen zu pressen versuchen, kann er das Spiel beeinflussen. Ohnehin "funktioniert" der Mensch seit jeher nur sehr schlecht in Modellen und Simulationen: Er verhält sich einfach nicht so, wie er soll. Kaum glaubt die Suchmaschine ihn zu kennen, wird er plötzlich ein anderer. Interessiert sich für anderes. Tut Widersprüchliches. Frechheit! Für die Wirtschaftswissenschaften ist dieses scheinbar Irrationale ein zentraler Zankapfel, Anlass für "behavioral economy" und "behavioral finance", Forschungszweige, die genau diese menschliche Irrationalität näher untersuchen sollen.

Einflussnahme auf das Spiel kann freilich nichts mit Verweigerung oder Funkstille zu tun haben, sondern ganz im Gegenteil mit Bewusstmachen, mit Auseinandersetzung, mit Aktion. Für mich geht es dabei um die einzigartige Fähigkeit des Menschen, die ihn wohl auch in Zukunft jeder Maschine überlegen macht: Um Intuition, um jenen "gesunden Menschenverstand", der ihn immer wieder aus Schablonen ausbrechen lässt. Es geht um Handlungsempfehlungen für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung. Dafür ist freiliche eine neue Art von Medienkompetenz nötig, über die es nicht nur ausdauernd zu steiten gilt. Sie muss auch ständig trainiert werden. So früh wie möglich.

Um den Zufall mache ich mir jedenfalls keine Sorgen. Er muss auch nicht gerettet werden. Er wird es verstehen, uns immer aufs Neue mit Wendungen zu überraschen, die keiner vorhersehen konnte. Da bin ich mir sicher.

20. August 2011

Die Dekonstruktion aller Erwartungshaltungen

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Der Euro ist stabil.
Staaten können nicht pleite gehen.
Die F.A.Z. ist eine konservative Zeitung.
Die Dinge bewegen sich nur scheinbar.
Dies ist kein animiertes GIF.

3. August 2011

Wirtschaft, einfach erklärt

"Erklären Sie unseren Lesern doch bitte mal das aktuelle Geschehen an den Märkten, möglichst prägnant und allgemein verständlich."

"Ka-wumm!"

Medien   Wirtschaft  
1. August 2011

Kaltes Kennichschon

Die ich einst abonniert habe. Die einmal gut waren, die mich begeistert haben, fasziniert, beeindruckt, geprägt. Die ich zitiert habe, inhaliert, kopiert und in Büchlein notiert, ausgeschnitten, eingeklebt, angemarkert, mit Kommentaren versehen, gebookmarkt, hochgeladen, in meinen Feed aufgenommen, gesammelt und manchmal auch nur angesehen habe. Habe.

Vorbei. Sie berühren nicht mehr. Ist das Entwicklung? Nur Alter? Ist das schlimm?

Leben   Medien   Wandel  
14. July 2011

RSS Philosophy

Je mehr Rauschen, um so stärker das Gefühl: Du nimmst die völlig falschen Dinge in weitaus zu hoher Konzentration wahr, und daraus ergibt sich ein recht schiefes Bild von der Welt. Als ob es nicht schon lange jedem so ginge, der Medien konsumiert, in welcher Weise und Darreichung auch immer!