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Peter Kruse

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8. January 2012

"Diese Systeme haben die Tendenz zur Selbstaufschaukelung"

Peter Kruse via youtube.com

Peter Kruse mit einem kurzen Vortrag im Bundestag. In wenigen Sätzen umreißt er aus der Sicht des Systemtheoretikers, was das Internet in seiner aktuellen Ausprägung so mächtig macht: Eine hohe Vernetzungsdichte, eine hohe Zahl von Spontanaktivitäten (das eigentliche "Web 2.0") sowie kreisende Erregungen sorgen für ein mächtiges Momentum - vorausgesetzt, ein Thema erreicht die nötige Resonanzfähigkeit, die Fähigkeit zur Selbstaufschaukelung. Darüber hat er auch schon sehr viel früher einiges erzählt, hier aber besonders schön auf den Punkt.

6. July 2010

Zehn Thesen von Peter Kruse aus der Anhörung der Internet-Enquete:

1. Die emotional geführte Debatte um die negativen persönlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen der digitalen Medien ist Ausdruck der ganz normalen Zurückhaltung gegenüber neuen Technologien.

2. Die angeblich durch die digitalen Medien ausgelöste Überforderung durch Informationsüberflutung ist eine Frage der Bewältigungsstrategien und nicht Folge des Erreichens prinzipieller Kapazitätsgrenzen.

3. Aufgrund des im Internet realisierten strukturellen und funktionalen Entwicklungsstandes entsteht ein generell wachsendes Bedürfnis der Menschen, sich aktiv an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen.

4. Durch die enorme Vernetzungsdichte, die hohe Spontanaktivität der Nutzer und die Existenz länger kreisender Erregungen besteht im Internet eine hohe Auftretenswahrscheinlichkeit für Lawinen-Effekte.

5. Mit der Möglichkeit des spontanen Entstehens von Massenbewegungen durch Resonanzbildung in den sozialen Netzwerken verlagert sich die Macht grundlegend von den Anbietern auf die Nachfrager.

6. Durch die enorme Zunahme der Nutzerzahlen und die Angleichung der Altersverteilung der User an die Gesamtbevölkerung wird die Internet-Dynamik zunehmend zum Spiegel von Gesellschaftsdynamik.

7. Die durch das Internet gesteigerte Einsichtsfähigkeit in gesellschaftliche Zusammenhänge führt in Verbindung mit dem Wissen um die Macht der Resonanzbildung zur Re-Politisierung der Öffentlichkeit.

8. Das erstarkende öffentliche Interesse am Spiel der Kräfte zwischen unterschiedlichen Stakeholder-Perspektiven fordert von Unternehmen und Institutionen maximale Transparenz und Nachhaltigkeit ab.

9. Die Machtverschiebung durch das Internet stellt eine große kulturelle Herausforderung dar für alle Organisationen mit primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Handlungsstrategien.

10. Das im Internet bestehende Missverhältnis zwischen der erlebten Flüchtigkeit von Interaktionen und der dauerhaften Speicherung hinterlassener Spuren erhöht systembedingt das Risiko von Missbrauch.

Beitrag zur öffentlichen Anhörung am 5. Juli 2010 der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft
Prof. Dr. Peter Kruse, geschäftsführender Gesellschafter der nextpractice GmbH Bremen

Die Stellungnahme als PDF.

Zugriff auf alle Beiträge sowie eine Aufzeichnung der Anhörung über Netzpolitik.org.

 

15. April 2010

Links: Die weißen Flecken auf dem achten Kontinent sind noch so groß, dass die Maßstäbe der bekannten Welt nicht ausreichen

  • Bei der Diskussion um das Netz kollidieren unterschiedliche Wertvorstellungen, die Kruse an den Kerngruppen "Digital Visitors" und "Digital Residents" näher untersucht hat. Die Differenzen sind von allen Beteiligten nur unzureichend reflektiert. Es findet eine Machtverschiebung statt, vom Anbieter auf den Nachfrager, ganz gleich ob es sich dabei um politische, ökonomische oder um reine Kommunikationsbeziehungen handelt. Der kulturelle Wandel ist durch nichts aufzuhalten - er wird lediglich oft falsch bewertet und gewichtet, weil er erst am Anfang steht. Was es braucht, ist nichts weiter als - Geduld. Schlüsselvortrag von Peter Kruse auf der re:pulica.
republica2010
  • "WIR SOLLTEN sie alle einladen in diesen neuen Weltteil, der vielen von uns so wichtig ist. Wenn wir wollen, dass alle Menschen etwas vom technologischen Fortschritt haben, brauchen wir Brückentechnologien. Das heißt, Technologien, die nicht nur die Early Adopters und die technologisch Versierten ansprechen, sondern auch den Rest der Menschheit. Wobei dieser Rest nicht wirklich ein Rest ist. Es sind etwa 90 Prozent der Bewohner dieses Planeten." Peter Glaser hat seinen Vortrag von der Eröffnung der re:publica auf seinem Blog Glaserei online gestellt. Eine inspirierende Bestandsaufnahme über den Zustand des Lebens im Netz - auf dem achten Kontinent.
29. March 2010

Links: "Das Internet erzwingt einen ehrlichen Umgang mit Kompetenzen"

  • Soziologen sind sich noch nicht ganz einig, wie Bindungen zu bewerten sind, in denen man sich zwar "Freund" nennt, die aber tatsächlich schwache soziale Bindungen darstellen. Für Kruse ist klar: Das eigentliche Potenzial des Social Web entsteht aus Resonanzbildungseffekten, die Wirkungen erzielen können wie klassische Massenmedien. Er spricht vom Urwunsch des Menschen, Spuren zu hinterlassen und von der "Euphorie des Möglichen", der Begeisterung des Einzelnen, der sich nun doch nicht als völlig machtlos erlebt. Nichts, was Kruse nicht schon viel früher in seinen nextpractice-Videointerviews auf Youtube gesagt hätte - hier aber besonders prägnant verschriftlicht.
8. March 2010

"Es entsteht eine neue Form von Intelligenz"

Ulrike Reinhard (auf deren Projekt "Conversations at the beginning of a new time" ich hier hinweisen möchte) hat den Hirnforscher und Unternehmensberater Peter Kruse zum Internet befragt. Kruse, dessen Videos ein (bislang noch erstaunlich kleiner) Kreis Interessierter schon länger über Youtube verfolgt, spricht diesmal über die Frage, was die Intelligenz eines Gehirn ausmacht (die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit, zur Vernetzug und zur Bewertung), ob sich diese Definition auf das übertragen lässt, was im Netz passiert, was von diesen Eigenschaften bereits heute realisiert ist und was nicht - worin also die zentralen Herausforderungen für die Zukunft liegen. Kruse versucht sich an einer Beschreibung dieser neuen kollektiven Intelligenz (die er "Intelligenz zweiter Ordnung" nennt, und die er für etwas deutlich anderes hält als Schwarmintelligenz). Er spricht über Aufmerksamkeit im Netz und über die Resonanzwirkungen des Internet auf die Offline-Welt. Eigentlich ein abendfüllender Themenkreis - in der vorliegenden Form aber dennoch ein hochanregendes Stück. Gefunden bei Leander Wattig.