Am Morgen auf dem Radweg lässt sich ja einiges lernen über den Zustand der Menschheit. Oberhemdenträger beispielsweise, die ihr Kleidungsstück bevorzugt unter einen zu eng geschnallten Gürtel in die Hose quetschen, neigen auf dem Rad überdurchschnittlich stark zu kompetitivem Ausleben unerfüllter Karrierewünsche.Von hinten klingeln sie den gemütlich und oft etwas verträumt vor sich hin Radelnden (mich) aggressiv zur Seite, und wer nicht gleich ausweicht, hat einen echten Armstrong am Hinterrad, pardon Armleuchter. Oder so ähnlich.
Als hätten Trittfrequenz und Überholgeschwindigkeit unmittelbare Auswirkungen aufs Gehalt. Als säße ihnen ein imaginärer Vorgesetzter im Nacken, der auch den Weg zur Arbeit in die Scorecard für Leistungswillen und Durchsetzungsfähigkeit mit einfließen lässt. Vielleicht ist es aber auch reine Taktik: Möglicherweise liegen der Praxis, schon früh am Morgen mit nassen Flecken unter den Achseln und leicht streng riechend im Büro zu sitzen, ja Überlegungen zugrunde, die sich mir im Laufe meines beruflichen Werdegangs einfach noch nicht erschlossen haben. Dabei ist noch gar nichts über die Psychologie des Fahrradhelmträgers gesagt. Oder über terroristisches Radeln in Gegenrichtung. Oder über Kinderanhängerkampfradlerinnen.