Hartmut Ulrich - Weblog

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Technikkritik

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26. January 2011

Let it flow

Statt mit der Entschleunigung eine Zeitlupenrealität herbeizusehnen, muss eine Kultur des Verpassens entwickelt werden: die Fähigkeit, den schneller werdenden Passierstrom an sich vorbeirauschen zu lassen, wann immer es notwendig erscheint. Es ist gut und sinnvoll, auf dem rasenden Wellenkamm des Fortschritts zu reiten, sich die Gischt ins Gesicht peitschen lassen - und dann die Tür zuzumachen und alles mit Absicht zu verpassen, ohne sich deshalb schlecht zu fühlen.

 

25. January 2011

Kulturelle Umwälzpumpenmechanismen

während die Industrialisierung die Kraft des Arbeiters durch die Maschine ersetzt und bestehende Arbeitsabläufe automatisiert hat, automatisiert die Digitalisierung das Wissen. Ein Umstand, dem nachgegangen werden muss, auch weil an ihm große gesellschaftliche Fragen hängen: Wird die Digitalisierung den Aufgabenbereich des Angestellten in der gleichen Weise umwandeln, wie die Maschine die Tätigkeit des Arbeiters verändert hat? Wird also die Auswirkung der Digitalisierung auf die Mittelschicht jener der Industrialisierung auf das Proletariat gleichen? Ist die aktuelle Verunsicherung der Mittelschicht so zu lesen?

 

19. April 2010

Links: Modelle und Simulationen dürfen Intuition und gesunden Menschenverstand nicht ersetzen

  • "Und dennoch ist ihr Protest gegen das Flugverbot ein Meilenstein in der soeben erst beginnenden Technologiekritik des digitalen Zeitalters, ein Kapitel in der Geschichte der systematischen Selbstentmächtigung der modernen Gesellschaft durch Modelle." Frank Schirrmacher nimmt die Kritik am Flugverbot anlässlich der isländischen Aschewolke zum Anlass, um nach Fakten zu suchen, die die Thesen seines Buchs "Payback" belegen - dass wir mehr und mehr zu Maschinensklaven mutieren, des eigenen Denkens nicht mehr fähig. Über die Möglichkeiten oder Unmöglichkeiten dessen, was man landläufig "gesunden Menschenverstand" nennt, wird noch häufiger zu diskutieren sein. Vor allem wenn es darum geht, prinzipiell Unentscheidbares dennoch richtig zu entscheiden. Schirrmachers Fazit ist allemal richtig: Das Denken muss Denken bleiben, es braucht "Instanzen des Einspruchs" gegen die Allmacht der Algorithmen. Und die gibt es in der Tat noch nicht ausreichend.
7. February 2010

Links: Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung der Welt

Frank Schirrmacher am Rande des DLD im Gespräch mit Alexander Kluge. Ebenso eine Entdeckung für mich wie das Vlog von dctp.tv. Dieser harmlose Link zu carta.info auf das Gespräch der beiden ist möglicherweise einer der wichtigsten der letzten Monate, zumindest in meiner persönlichen Wahrnehmung. Weil es nicht um eine "0 oder 1"-Diskussion geht, sondern um den Versuch, die strukturellen Änderungen hinter dem zu fassen, was sich durch die Digitalisierung der Welt ergibt und den Versuch, daraus eine Handlungsempfehlung für das Menschbleibenkönnen abzuleiten: "Antworten geben auf die neue Welt der Algorithmen durch Erzählen". Siehe auch dieses Gespräch mit Alexander Kluge und der Redaktion von freitag.de:
1. February 2010

Links: Ist der Traum von der Netzfreiheit wirklich nur eine kleine temporäre Utopie?

  • Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der F.A.Z. und mit seinem Buch "Payback" als kulturpessimistischer Maschinenkritiker gerade erst aus den Schlagzeilen, setzt sich mit dem auseinander, was Apples iPad jenseits seiner mittelmäßigen Hardware konzeptionell bedeutet. Man muss Schirrmacher nicht in allen Punkten Recht geben, aber seine Gedanken sind absolut bedenkenswert: Einerseits reduziere das iPad zwar Komplexität in beachtlichem Maß und erschließe dadurch das Netz erst für eine breite Masse, andererseits werde der Computer dadurch zu einer dämlichen Fernbedienung und die Kreativität und Freiheit des Einzelnen in dramatischer Weise beschnitten. Die Kultur des App-Stores verändere die Kultur des Netzes auf eine Art und Weise, die den meisten Apple-Jüngern überhaupt noch nicht klar sei: Die fazinierende Idee der Freiheit des Netzes gehe schlagartig verloren zugunsten einer Kontrolle durch wenige (Apple, Google, etc.).
4. December 2009

Links: Werkzeugkiste für den unwahrscheinlichen Fall mahnend erhobener Zeigefinger

  • Kathrin Passig beschäftigt sich in ihrer Internetkolumne auf online-merkur.de mit der reflexhaften Ablehnung alles Neuen und definiert die sieben Todsünden des Kulturpessimismus: "Wenn es zum Zeitpunkt der Entstehung des Lebens schon Kulturkritiker gegeben hätte, hätten sie missmutig in ihre Magazine geschrieben: »Leben – what is it good for? Es ging doch bisher auch so.« " Ein ebenso amüsanter wie scharfsinniger Blick auf das Internet und das Neue, das sich damit verbindet. Abschließender Ratschlag: vergessen lernen "Der erwachsene Mensch kennt einfach zu viele Lösungen für nicht mehr existierende Probleme".
28. November 2009

Links: Die eigene Müdigkeit verpackt als nachdenkliche Maschinenkritik

  • In seinem neuen Buch beklagt Frank Schirrmacher die Überforderung durch das Internet. Nun übt der Psychologe Peter Kruse heftige Kritik an den Thesen des Autors: "Herr Schirrmacher begeht in seinem Buch einen erstaunlichen Denkfehler durch die Einseitigkeit der von ihm gewählten Perspektive: Er betrachtet die digitale Welt ausschließlich aus dem Blickwinkel einer Person, die das Geschehen als distanzierter und bewertender Beobachter erlebt. Wer sich nicht selbst in den Netzwerken bewegt und sie als eine schwer zu ertragende Kakophonie empfindet, der fühlt sich logischerweise schnell überfordert und vielleicht sogar aggressiv belästigt. Mit seinem Buch outet sich Herr Schirrmacher als fremdelnder Netzwerk-Besucher, als Zaungast, der einer wilden Party gleichermaßen neugierig wie irritiert aus der Ferne zuschaut." - Beitrag von Johannes Kuhn auf sueddeutsche.de