Hartmut Ulrich - Weblog

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Wirklichkeit

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28. November 2011

Transparenz bedeutet nicht Wahrheit

Die Leute werden sich an die Sichtbarkeit im Netz anpassen und bald lernen, immer schöne virtuelle Internet-Fassaden zu haben – so wie jetzt im Leben auch – mit Schminke und so weiter
Gunter Dueck via xethix.com

 

1. November 2011

"Die Wahrheit ist ein kleines bürgerliches Vorurteil"

Denn einerseits kann das Regime die Sprache zum Instrument seiner Herrschaft, der Desinformation und der Gehirnwäsche, des Betrugs und der Aggression machen, andererseits, und das geschieht oft gleichzeitig, kann auch die unterdrückte Gesellschaft die Sprache in den Dienst ihres Kampfes gegen eben dieses Regime stellen, sie als Instrument der Kommunikation zwischen den Unterdrückten und Erniedrigten, als Waffe in ihrem Kampf um Würde und Unabhängigkeit einsetzen.
Der polnische Journalist und Schriftsteller Ryszard Kapuscinski via nzzfolio.ch

 

17. October 2011

Der Zufall ist nicht kleinzurechnen

Ein Leben ohne Zufall ist langweilig - tödlich langweilig. Da hat Miriam Meckel Recht mit dem Ausgangspunkt für ihr Manifest. Ohne den Zufall gäbe es nur Vorherseh- und -berechenbares. Es wäre das Ende aller Hoffnung. Dass das Leben durch die Algorithmisierung im Internet berechenbar, vorhersagbar und damit eindimensional wird, diese These halte ich allerdings für ziemlich plakativ. An etwas Ähnlichem hat sich bereits Frank Schirrmacher abgearbeitet.

Das Leben ist nicht so simpel, dass es sich durch Algorithmen einfach so in die Zange nehmen ließe. In der Physik zum Beispiel gibt es Objekte, die sich gerade dadurch verändern, dass man sie beobachtet: Das Spiel ändert sich durchs Spielen. Vielleicht verhält es sich mit dem Leben ja ähnlich: Beim Versuch, es in Muster zu pressen, ergeben sich sofort neue, überraschende Wendungen, auch mit Algorithmisierung - oder gerade wegen ihr. Das Spiel der Zukunft lässt sich nicht mit den Spielregeln aus der Vergangenheit beurteilen. Man merkt nur nicht gleich, dass es  bereits ein neues ist - und darin liegt wohl der größte Anlass für Irrtümer.

Was zum Beispiel gerade an den Finanzmärkten passiert, wird durch Algorithmen, wenn nicht ausgelöst, so doch derart verstärkt, dass es bereits heute zu massiven Systemverwerfungen führt, über kurz oder lang vielleicht sogar zum Systembruch. Durch den Computerhandel und die damit verbundenen Programme (Algorithmen!) wurden die Märkte nicht nur nicht berechen- und vorhersehbarer, sondern ganz im Gegenteil weitaus volatiler und unkalkulierbarer als je zuvor in ihrer Geschichte. So sehr, dass sich die Mächtigen der Welt nun den Vorwurf gefallen lassen müssen, ihnen sei die Kontrolle entglitten. Längst reagiert die Börse scheinbar losgelöst von Fundamentaldaten, längst ist sie Metapher für das Unkalkulierbare per se.

Dabei bilden auch Unternehmen und deren Wertpapiere so etwas wie Persönlichkeiten und eignen sich deshalb gar nicht so schlecht für den Vergleich mit dem Einzelnen. Algorithmen haben jedenfalls zum völligen Gegenteil der Berechenbarkeit von Unternehmen geführt: Die Komplexität scheinbarer oder echter Zusammenhänge ist so hoch, dass kein Mensch sagen kann, ob Kursschwankungen die Folge unzähliger Einzeleffekte sind oder ob sie rein zufällig entstehen - übrigens einer der ältesten Streits an der Börse, zwischen den Glaubensrichtungen der Charttechniker und Fundamentaldatenapostel. Durch den Versuch von mehr Berechenbarkeit entsteht - das Gegenteil.

Aber zurück zum Menschen und dem, was Algorithmen mit seiner Persönlichkeit anzurichten drohen: In dem Moment, in dem der Einzelne bemerkt, dass Maschinen ihn in Schablonen zu pressen versuchen, kann er das Spiel beeinflussen. Ohnehin "funktioniert" der Mensch seit jeher nur sehr schlecht in Modellen und Simulationen: Er verhält sich einfach nicht so, wie er soll. Kaum glaubt die Suchmaschine ihn zu kennen, wird er plötzlich ein anderer. Interessiert sich für anderes. Tut Widersprüchliches. Frechheit! Für die Wirtschaftswissenschaften ist dieses scheinbar Irrationale ein zentraler Zankapfel, Anlass für "behavioral economy" und "behavioral finance", Forschungszweige, die genau diese menschliche Irrationalität näher untersuchen sollen.

Einflussnahme auf das Spiel kann freilich nichts mit Verweigerung oder Funkstille zu tun haben, sondern ganz im Gegenteil mit Bewusstmachen, mit Auseinandersetzung, mit Aktion. Für mich geht es dabei um die einzigartige Fähigkeit des Menschen, die ihn wohl auch in Zukunft jeder Maschine überlegen macht: Um Intuition, um jenen "gesunden Menschenverstand", der ihn immer wieder aus Schablonen ausbrechen lässt. Es geht um Handlungsempfehlungen für das Menschbleibenkönnen im Zeitalter der Algorithmisierung. Dafür ist freiliche eine neue Art von Medienkompetenz nötig, über die es nicht nur ausdauernd zu steiten gilt. Sie muss auch ständig trainiert werden. So früh wie möglich.

Um den Zufall mache ich mir jedenfalls keine Sorgen. Er muss auch nicht gerettet werden. Er wird es verstehen, uns immer aufs Neue mit Wendungen zu überraschen, die keiner vorhersehen konnte. Da bin ich mir sicher.

20. August 2011

Die Dekonstruktion aller Erwartungshaltungen

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Der Euro ist stabil.
Staaten können nicht pleite gehen.
Die F.A.Z. ist eine konservative Zeitung.
Die Dinge bewegen sich nur scheinbar.
Dies ist kein animiertes GIF.

5. August 2011

Informäschen Aidsch

Meldung
Informationen, die zwar existieren aber trotzdem niemandem helfen: Lässt sich das Wesen des sogenannten Informationszeitalters schöner auf den Punkt bringen als in diesem Screenshot?

 

Leben   Wirklichkeit   Wissen  
31. July 2011

Die Wellentheorie des Ich

Die Entwicklung des Wesens scheint mir der Physik des Lichts nicht unähnlich: Licht lässt sich mit zwei Theorien beschreiben, mit der Wellentheorie genauso wie mit Lichtquanten. Auch die Persönlichkeit scheint solch einem seltsamen Dualismus zu folgen. Entwicklung findet nie linear statt, sondern fast immer in Sprüngen, zumindest was die fundamentalen Wesenszüge betrifft. Sie scheinen über Nacht anzukommen, und am nächsten Morgen ist alles anders. Man weiß plötzlich, nachdem sich vielleicht über Monate scheinbar nichts bewegt und entwickelt hat. 

Gleichzeitig verändert sich das eigene Wesen aber auch mit jedem Mosaiksteinchen, das die Sinne verarbeiten, eben keineswegs in Sprüngen, sondern ganz im Gegenteil eher so, wie sich ein Glas füllt, Tropfen für Tropfen, eine unendliche Summe. Möglicherweise ist es längst Zeit für ein nächstes Level, das Glas schon viel voller als es überhaupt sein kann, doch der eigentliche Sprung ist noch nicht vollzogen. Dieser Dualismus ist nicht ungefährlich: Allzu leicht verheddert man sich in oberflächlichen Symptomen und verliert aus den Augen, dass der Sprung noch aussteht. Kann man zehn Jahre Tropfen sammeln, ohne einen solchen Bruch?

30. July 2011

Die alten Gewohnheiten suggerieren Sicherheit

Jede Handlungsoption birgt Risiken – noch lang keine Gefahren. Also wird es nötig, Risiko und Gefahr zu unterscheiden. Denn Gefahren erfordern sofortiges Reagieren, Risiken dagegen eröffnen uns aktive Spielräume. Diese Spielräume zu nutzen, dazu braucht es Bewusstheit und den Zugang zu den eigenen Ressourcen.

 

14. July 2011

RSS Philosophy

Je mehr Rauschen, um so stärker das Gefühl: Du nimmst die völlig falschen Dinge in weitaus zu hoher Konzentration wahr, und daraus ergibt sich ein recht schiefes Bild von der Welt. Als ob es nicht schon lange jedem so ginge, der Medien konsumiert, in welcher Weise und Darreichung auch immer!